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Das Zentrum baut auf Strukturen auf, die über einen langen Zeitraum gewachsen sind. Hierzu gehört eine fast 200 Jahre zurückreichende Tradition der Afrikaforschung in Frankfurt. Sie ist verbunden mit Namen wie Eduard Rüppell und Leo Frobenius sowie mit angesehenen Institutionen wie der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und dem Frobenius-Institut. Die Nennung des Geisteswissenschaftlers Frobenius und des Naturwissenschaftlers Rüppell macht auch deutlich, worin sich die Frankfurter Afrikaforschung von allen anderen Afrikaschwerpunkten an deutschen Universität unterscheidet: nur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität ist beinahe das gesamte Spektrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Afrika vertreten. Archäobotanik, Botanik, Medizin, Paläontologie, Physische Geographie und Zoologie decken das naturwissenschaftliche Spektrum ab; Afrikanische Sprachwissenschaften, Anglistik, Archäologie, Historische Ethnologie, Politische Soziologie und Wirtschaftsgeographie das geisteswissenschaftliche. Diese Bandbreite der Afrikaforschung an der Universität setzt sich aus einer Vielzahl von Einzelentwicklungen in den letzten 30 Jahren zusammen. So wurden beispielsweise in der Anglistik und Romanistik die modernen anglophonen und frankophonen Literaturen Afrikas bereits Ende der 1970er Jahre zu Schwerpunkten in Forschung und Lehre; 1980 waren Frankfurter Anglisten und Romanisten maßgeblich an der Gestaltung des wissenschaftlichen Rahmenprogramms zum Schwerpunktthema Afrika der Frankfurter Buchmesse beteiligt. Eine wichtige strukturelle Voraussetzung ist auch das seit den 60er Jahren bestehende Sondersammelgebiet Afrika der Universitätsbibliothek. Die Afrikasammlung ist inzwischen auf eine Bandzahl von über 200.000 angewachsen. Das Sondersammelgebiet Afrika wurde zwischen 1998 und 2002 von der DFG mit über 350.000 Euro finanziert. Dort angesiedelt ist auch das Koloniale Bildarchiv. Die Senckenbergische Bibliothek mit ihren Sondersammelgebieten Biologie, Botanik, Zoologie bietet einen nahezu vollständigen Fundus an Literatur zur Botanik und Zoologie der afrikanischen Länder. 1988 entstand der Sonderforschungsbereich 268 „Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum westafrikanische Savanne“ , der fünf Disziplinen aus den Natur- und Geisteswissenschaften (Ethnologie, Vor- und Frühgeschichte, Afrikanische Sprachwissenschaften, Botanik und Geographie) zusammenführte. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte das Projekt mit einem Gesamt-Finanzvolumen von etwa 43 Millionen DM über eine ungewöhnlich lange Laufzeit von fast 15 Jahren. Zahlreiche Publikationen, die über das ZIAF vertrieben werden, und die Wanderausstellung „Leben in Westafrika“ gehören zum „Erbe“ des Sonderforschungsbereichs. Noch während der Laufzeit des SFB 268 entstand 2001 mit dem vom BMBF geförderten Projekt BIOTA W 11 „Phytodiversität in der Sahel- und Sudanzone Westafrikas – Entwicklung und Bewertung“ ein weiteres, langfristig angelegtes interdisziplinäres Unternehmen unter Beteiligung von Botanik, Geographie und Ethnologie. Eine DFG-Forschergruppe „Ökologischer Wandel und kulturelle Umbrüche in West- und Zentralafrika“ unter Beteiligung der Fächer Geographie, Archäologie und Archäobotanik wurde im Juli 2003 von der DFG bewilligt. Eine bedeutende strukturelle Voraussetzung ist schließlich auch die Anerkennung der „Interdisziplinären Afrikaforschung“ als universitärer Schwerpunkt und ihre Aufnahme in die Zielvereinbarungen mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst. An der J.W. Goethe-Universität bestehen neben den genannten Inititativen aber noch zahlreiche andere in Afrika tätige wissenschaftliche Projekte. Zu den im SFB 269 vertretenen Disziplinen treten noch die Medizin, die Politikwissenschaft, die Zoologie und die Paläontologie hinzu. Auch hier ist eine große Kompetenz vorhanden, die jedoch bisher nicht in einem lokalen Forschungsverbund vernetzt waren. Dies wird mit der Einrichtung des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung nun gewährleistet. Aber nicht nur die Frankfurter Universität selbst bietet hervorragende Voraussetzungen für das ZIAF, sondern es ist in Frankfurt auch ein der Afrikaforschung sehr förderliches Umfeld vorhanden. Mit dem Naturmuseum Senckenberg und dem Forschungsinstitut Senckenberg und seinem bedeutenden westafrikanischen Herbar, dem Palmengarten, dem Museum für Weltkulturen und dem Zoologischem Garten sind bedeutende Sammlungen vorhanden, die zu Forschungszwecken bereits genutzt werden. Zahlreiche afrikabezogene Archive (z.B. das ethnographische Bilderarchiv, Archiv der Felsbildkopien, Nachlässe, Afrikanisches Mythen- und Märchenarchiv; Fotoarchiv mit Fotos aller Instituts-Expeditionen seit 1904) machen das Frobenius-Institut zu einem besonders wichtigen Partner des ZIAF. Mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind Organisationen ortsansässig, die stark an der Anwendung von Forschungsergebnissen interessiert sind.
geändert am 12. Januar 2012 E-Mail: Webmasters.schmid@em.uni-frankfurt.de | | Zur Navigationshilfe |
Druckversion: 12. Januar 2012, 17:03
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