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Zwischen 2.000 v. Chr. und der Zeitenwende fand in weiten Teilen Afrikas ein tiefgreifender ökonomischer und sozialer Wandel statt, der auf entscheidende Weise den Weg des Kontinents in die Neuzeit beeinflusste. Jäger-Sammler-Gesellschaften und mobile Viehhirten wurden spätestens jetzt sesshaft und begannen Pflanzen zu kultivieren. Dieser Übergang - von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaftsweise - bildet eine tiefe Zäsur in der Menschheitsgeschichte. Im Vergleich mit anderen Kontinenten ist besonders auffällig, dass die Menschen im sub-saharischen Afrika erst ab 2000 v. Chr. voll sesshafte Bauern wurden - im Gegensatz zu Vorderasien, wo sich diese Änderung bereits um 10.000 v. Chr. vollzog.
Parallel mit zunehmender Sesshaftigkeit, der Entwicklung größerer Siedlungen und einer differenzierten Landwirtschaft im Sahel wanderten während des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr. Bevölkerungsgruppen in den zentralafrikanischen Regenwald ein. Bis heute ist ungeklärt, welche Rolle hierbei der Kulturpflanzenanbau und die im 1. Jahrtausend v. Chr. aufkommende Eisentechnologie spielte. Ebenfalls ist unklar, ob es Beziehungen zwischen den Entwicklungen im Sahel und im Regenwald gab, und wenn ja, welcher Art sie waren.
Die besiedlungsgeschichtlichen Veränderungen während der beiden vorchristlichen Jahrtausende erfolgen in auffälligem Gleichtakt mit Klimaschwankungen. Die meisten permanenten Gewässer in der Süd-Sahara und im Sahel trockneten aus, und um 800 v.Chr. kam es zum teilweisen Zusammenbruch des Regenwald-Ökosystems. Die genauen Zusammenhänge zwischen Klima- und Landschaftsänderungen auf der einen und den kulturellen Umbrüchen und Innovationen auf der anderen Seite sind jedoch noch unerforscht.
Die Hauptfrage der interdisziplinären Forschergruppe ist, ob und in welcher zeitlichen Auflösung Korrelationen zwischen Klimawandel, Landnutzungsstrategien und kulturellen Innovationen bestehen. In ausgewählten Regionen West- und Zentralafrikas sollen in enger Kooperation mit afrikanischen Partnern Daten zu Siedlungsmustern, Subsistenz, Klima- und Landschaftsgeschichte erarbeitet und miteinander verknüpft werden. Die regionalen Fallstudien konzentrieren sich zunächst auf Nordost-Nigeria und Süd-Kamerun. Die Arbeitsregionen liegen günstig in den ökologischen Übergangszonen Sahara/Sahel und Savanne/Regenwald, die sensibel auf Klimaänderungen reagieren. Aufgrund der großräumigen Perspektive und der vermuteten Bedeutung des Raumes für die weitere Entwicklung bis nach Südafrika haben die Untersuchungen panafrikanische Relevanz.
Beginn des Projektes: 1.12.2003, maximale Laufzeit 6 Jahre
Teilprojekte:
Physische Geographie:
ReSaKo (Regenwald_Savanne_Kontakt), Prof. Jürgen Runge, J.W.Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Physische Geographie
Vor- und Frühgeschichte:
Kulturelle Umbrüche im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. in der Sahelzone Westafrikas; Prof. Dr. Peter Breunig, J.W. Goethe-Universität Frankfurt, Archäologie und Archäobotanik Afrikas im Seminar für Vor- und Frühgeschichte
Die Regenwald-Savannen-Problematik in Süd-Kamerun, Prof. Manfred Eggert, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Archäobotanik:
Spätholozäne Vegetationsgeschichte und die Entwicklung des Bodenbaus in West- und Zentralafrika; PD Dr. Katharina Neumann, J.W. Goethe-Universität Frankfurt, Archäologie und Archäobotanik Afrikas im Seminar für Vor- und Frühgeschichte

Bohrung am Lake Tilla, Nigeria
Aus den so gewonnen Sedimentkernen werden Pflanzenpollen gewonnen, die Aufschluss über Vegetations- und Klimaveränderungen geben.
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